Oberkailer kämpfen mit Plakaten und Unterschriftenlisten für ihre Schule

berichtet der Trierische Volksfreund: Schüler, Eltern und Lehrer haben Plakate gebastelt, Postkarten an die Bildungsministerin drucken lassen und Unterschriften für eine Petition gesammelt. Sie warnen vor den Konsequenzen, die die Schließung der Schule hätte.

schule tv 

"Meine Schule muss bleiben, weil sie die beste Schule ist, weil sie cool und toll ist, weil ich keine Lust habe, auf eine andere Schule zu gehen, weil man sich auf dem großen Schulhof schnell verläuft und weil die anderen Schulen weit weg sind" - Der achtjährige Karl aus Oberkail hat ziemlich viele Argumente, warum seine Grundschule erhalten bleiben sollte. Sie ist nämlich eine der 41 Dorfschulen in Rheinland-Pfalz, denen wegen der im März verabschiedeten Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot die Schließung droht (der TV berichtete).

 Schüler, Eltern und Lehrer haben sich nun zusammengetan, um für den Erhalt ihrer Schule zu kämpfen. Gemeinsam haben sie Plakate gebastelt, 480 Unterschriften gesammelt und 1000 Postkarten an die Bildungsministerin drucken lassen mit dem Text "Lasst unsere Schule im Dorf! Kampf gegen die Landflucht!!". Diese liegen beim Friseur, in der Physiotherapiepraxis und bei einem Kyllburger Arzt aus. "Da kann jeder noch was dazuschreiben oder sie einfach abschicken", sagt Schulelternsprecherin Tanja Densborn. Außerdem unterstützen die Oberkailer eine Petition, die der Elternausschuss der Grundschule Mörsdorf gestartet hat (online unter www.openpetition.de/zwergenschulen). Unter dem Motto "Rettet unsere Zwergenschulen! Kleine Grundschulen müssen bleiben!!" sind dort bereits rund 13 000 Unterschriften zusammengekommen. 15 000 Stimmen aus Rheinland-Pfalz müssen bis zum 8. Mai vorliegen, damit der Plattformbetreiber Open Petition eine Stellungnahme vom Land einfordert.

Im aktuellen Schuljahr besuchen 37 Kinder aus Gransdorf, Gindorf und Oberkail die kleine Grundschule. Vier Lehrerinnen unterrichten jeweils die Erst- und Zweitklässler sowie die Dritt- und Viertklässler gemeinsam. "Wenn sie geschlossen würde, würde etwas Wichtiges fehlen", sagt Densborn, deren beide Kinder die kleine Schule besuchen. "So ein Dorf stirbt dann irgendwie aus."

Außerdem fragt sich die 40-Jährige, ob dann noch junge Leute aufs Dorf ziehen. Das sieht auch die Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land so. "Als Schulträger setzen wir uns für den Erhalt der Grundschule Oberkail ein", sagt der Beigeordnete Rainer Wirtz. Die gute Vernetzung der Schule mit der Kita in Oberkail sei ein wichtiger Standortfaktor für junge Familien. In den Ausbau der Kita habe die Gemeinde viel investiert. Außerdem sei die Schule in gutem Zustand, so dass keine größeren Investitionen nötig seien und mittelfristig sei wegen guter demografischer Prognosen geplant, drei Klassen einzurichten. Und: Die Grundschule sei ein fester Bestandteil im Dorfleben der Einzugsgemeinden.

Das kann Tanja Densborn bekräftigen: Die Grundschüler studierten jedes Jahr ein Musical ein, das im vergangenen Jahr beim Weihnachtsmarkt, beim Altentag und in der Gransdorfer Kirche aufgeführt worden sei, erzählt sie. "Das Schöne ist, man kennt sich untereinander." Bei den Musicalaufführungen verkauften die Eltern Kekse, beim Sportfest seien alle da und die Eltern übernähmen Arbeitsgemeinschaften der Schule. Außerdem stärke es die Gemeinschaft, dass in so einer kleinen Schule alle Kinder - von der ersten bis zur vierten Klasse - miteinander spielten und nicht nur die Kinder, die dieselbe Klasse besuchten. "Von den Kriterien, die die Ministerin festgelegt hat, erfüllen wir keine", sagt Densborn, "da fallen wir durch." Sie hofft aber, dass auch soziale Komponenten berücksichtigt werden. "Es weiß ja niemand, wie diese Kriterien bewertet werden." Das Ministerium habe jetzt den Schulträgern den Schwarzen Peter zugeschoben, die nun in Abstimmung mit der ADD ein Konzept erstellen sollten. "Dabei werden natürlich soziale und demografische Aspekte eine Rolle spielen", sagt Sabine Schmidt, Pressesprecherin des Ministeriums für Bildung in Mainz. Sowohl die Schülerzahlprognose, als auch die Erreichbarkeit der nächsten Grundschule und deren Aufnahmekapazität würden mit einbezogen.

Außerdem könnten die Schulträger bei der Konzepterstellung weitere Aspekte anbringen wie die schulische Ausstattung, die notwendige Zahl der Klassenräume, organisatorische Profile wie Schwerpunkt- oder Ganztagsschule und Kooperationen mit außerschulischen Partnern vor Ort. Für dieses Konzept haben die Schulträger nun bis Ende September Zeit.

Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden, sagt Wirtz. Kurzfristig würden weitere mit allen Beteiligten folgen, um zeitnah ein Konzept vorzulegen. Bis dahin werden sich die Oberkailer Eltern weiter für den Erhalt ihrer Schule engagieren.

Bei der Blumenbörse in Oberkail am Sonntag, 23. April, ab 14 Uhr im Haus Kail werden sie erneut mit einem Stand auf das Thema aufmerksam machen und um Unterstützung bitten. Dort werden ihnen auch der VG-Bürgermeister, Josef Junk, und Landtagsabgeordneter Michael Billen einen Besuch abstatten und die Petition unterschreiben.

Meinung

Die Mühe ist es wert Was macht das Leben im Dorf attraktiv gegenüber der Stadt? Neben vielen anderen Dingen ist es die Überschaubarkeit. Man kennt sich, die Wege sind kurz. Das ist vor allem für Kinder wichtig und bietet Geborgenheit. Für Grundschüler ist der Schulbesuch auf jeden Fall stressfreier, wenn sie nicht mit dem Bus fahren müssen und die Klassenkameraden gleich um die Ecke wohnen. Sobald die Kinder auf weiterführende Schulen wechseln, ist es damit ohnehin vorbei. Deshalb ist es gut, dass die Eltern nicht einfach abwarten und klagen, sondern sich engagieren, damit ihre Schule im Dorf erhalten bleibt. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

aus. Trierischer Volksfreund, 22.4.2017